Empfehlungen für Mixed-Mode-Designs

Eine bezahl­ba­re Methode fin­den und die best­mög­li­che Datenqualität erzie­len — das ist wohl die Idealvorstellung eines jeden Markt- und Sozialforschers. Dafür schei­nen Mixed-Mode-Designs ein viel­ver­spre­chen­des und belieb­tes Mittel zu sein.

Die Vorteile für den Projektablauf sind meist ein­deu­tig: Die Studienteilnahme wird durch den Einsatz ver­schie­de­ner Erhebungsmodi ver­ein­facht und somit beschleu­nigt. Zudem sin­ken die Kosten, wenn ein kos­ten­in­ten­si­ver Modus mit einem güns­ti­ge­ren kom­bi­niert wird.

Daneben bie­ten Mixed-Mode-Designs die Möglichkeit, die Datenqualität im Vergleich zu einer uni­mo­da­len Befragung zu ver­bes­sern: die Schwächen ein­zel­ner Erhebungsmodi kön­nen kom­pen­siert, Antwortraten erhöht und dadurch die Verzerrung der Studienergebnisse infol­ge von Nonreponse sowie Coverage-Fehler ver­rin­gert wer­den.

Nicht zwangs­wei­se haben Mixed-Mode-Designs aber den gewünsch­ten posi­ti­ven Effekt auf die Datenqualität. Eine blo­ße Vermischung von Kommunikationskanälen und Erhebungsmethoden kann die Datenqualität gar ver­schlech­tern. Werden ver­schie­de­ne Modi bei der Datenerhebung kom­bi­niert, ist das Risiko unkon­trol­lier­ter Mode-Effekte hoch. Wissenschaftlich belegt ist, dass ers­tens ver­schie­de­ne Probandentypen Vorlieben für unter­schied­li­che Kommunikationskanäle haben und zwei­tens die Eigenschaften ver­schie­de­ner Erhebungsmodi — etwa audi­tiv oder visu­ell, selbst­ge­führt oder inter­view­er­ge­stützt — das Antwortverhalten der Befragten beein­flus­sen. In Kombination birgt dies die Gefahr von Antwortverzerrungen und einer man­gel­haf­ten Vergleichbarkeit bezie­hungs­wei­se Integrität der Ergebnisse aus ver­schie­de­nen Erhebungsformen. Entgegen der gän­gi­gen Annahme wird die Responserate zudem nicht erhöht, wenn den Befragten gleich­zei­tig ver­schie­de­ne Befragungsmöglichkeiten ange­bo­ten wer­den.

Ob ein Mixed-Mode-Design sinn­voll ist und die Vorteile die mög­li­chen Nachteile über­wie­gen, muss stets im spe­zi­fi­schen Forschungskontext abge­wo­gen wer­den. Bei der Wahl der Methode kann aber auf eini­ge grund­sätz­li­che Prämissen zurück­ge­grif­fen wer­den:

  1. Um Messfehler durch Mode-Effekte zu ver­hin­dern, emp­fiehlt sich zunächst stets eine uni­mo­da­le Datenerhebung. Unbedenklich ist das Hinzuziehen wei­te­rer Modi zur Kontaktaufnahme und Befragten-Ansprache, um die Response-Rate zu ver­bes­sern. So hat etwa eine ergän­zen­de pos­ta­li­sche oder tele­fo­ni­sche Mitteilung (Einladung, Reminder) an die Befragten einer Online-Befragung aus­schließ­lich posi­ti­ve Effekte auf die Stichprobenausschöpfung.
  2. Sind meh­re­re Modi zur Datenerhebung nötig, weil bei­spiels­wei­se Responseraten oder Coverage in einem Single-Modus zu gering sind, soll­ten wei­te­re Erhebungskanäle mög­lichst nur als Ergänzung des Hauptmodus die­nen. Empfohlen wird die vor­ran­gi­ge Datenerhebung mit­tels eines Hauptmodus mit anschlie­ßen­der Nacherfassung der nicht­ant­wor­ten­den Fälle mit­hil­fe einer ande­ren Erhebungsmethode. Dieses sequen­ti­el­le Vorgehen ver­min­dert den Fehler durch Nonresponse und ver­bes­sert die Stichprobenausschöpfung.
  3. Werden meh­re­re Modi zur Datenerhebung genutzt, ist der Einsatz ähn­li­cher Kommunikationskanäle rat­sam. Um den Befragten in allen Modi mög­lichst glei­che Stimuli zu bie­ten, emp­fiehlt sich ein Unified-Modi-Design mit glei­chem Wording und glei­cher Präsentation der Fragen (Layout, Design). Das Risiko von Mode-Effekten ist bei­spiels­wei­se rela­tiv gering beim kom­bi­nier­ten Einsatz von Online-Befragung und schrift­li­chem Fragebogen oder Telefon- und Face-to-Face-Interview.

Quellen:
Edith D. de Leeuw (2005): To Mix or Not to Mix Data Collection Modes in Surveys. In: Journal of Official Statistics 21(2): 233–255.
Don A. Dillmann, Jolene D. Smyth & Leah Melani Christian (2009): Internet, Mail, and Mixed-Mode-Surveys. The Tailored Design Method. Hoboken, New Jersey: John Wiley & Sons, Inc.


Dieser Beitrag erschien in abge­wan­del­ter Form in Ausgabe 2/2018 der Research & Results: